Berichte aus der Gemeinde

Gemeindekonzeption

der Evangelischen Kirchengemeinde Uerdingen

 

 

 

1.Geschichte und Gegenwart der Evangelischen Kirchengemeinde Uerdingen

 

Die Evangelische Kirchengemeinde Uerdingen ist am 13. März 1848 durch königlichen Erlass des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. gegründet worden. Damals reichte das riesige Gemeindegebiet von Hohenbudberg im Norden bis Haus Meer im Süden. Ein erster evangelischer Gottesdienst ist unter großer öffentlicher Beachtung schon am 18. Februar 1846 in Uerdingen gefeiert worden.

 

Heute erstreckt sich die Kirchengemeinde über die Krefelder Stadtteile Uerdingen, Hohenbudberg, Linn und Gellep-Stratum. Nach Osten begrenzt der Rhein die Gemeinde (und den Evangelischen Kirchenkreis Krefeld-Viersen). Nach Westen ist sie durch die Autobahn A 57 von den anderen Krefelder Stadtteilen getrennt. Im Norden liegen die Kirchengemeinden Krefeld-Nord, Rumeln-Kaldenhausen und Kapellen, im Süden die Tochtergemeinde Lank (zu Meerbusch).

 

Das Bekenntnis war von Anfang an uniert; durch die Entstehungsgeschichte ist die Gemeinde ursprünglich reformiert geprägt (anfängliche Zugehörigkeit zum Kirchenkreis Moers; erste calvinistische Bürger Uerdingens stammten aus den Niederlanden). Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Gemeinde vor allem in Linn; dort wurden sehr viele Flüchtlinge und Vertriebene angesiedelt, die ihre lutherische Tradition mitbrachten. In Hohenbudberg breitete sich das Bayer-Werk aus (heute Chempark), sodass hier nur noch wenige Wohnhäuser vorhanden sind. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Außenbezirke der Stadt Krefeld verstärkt besiedelt, so auch Gellep-Stratum.

 

Die Gemeinde hat ihre Präsenz über das Gemeindegebiet verteilt: Die Michaelskirche mit der Turmkapelle steht am Anfang der Uerdinger Fußgängerzone; die Johanneskirche findet sich in Linn am Greiffenhorstpark; Gemeindehäuser stehen an der Bergstraße im Uerdinger Nordwesten und an der Lanker Straße in Gellep-Stratum. Der Kindergarten liegt an der Kastanienstraße im Uerdinger Norden und das Alten- und Pflegeheim „Haus im Park“ auf der anderen Seite des Stadtparks im Uerdinger Nordwesten, Rücken an Rücken mit dem Gemeindehaus Bergstraße. Die dezentrale Lage macht es schwer, einen einheitlichen Schwerpunkt zu bilden. Allerdings ist die Gemeinde so in allen Bereichen vertreten und erreichbar.

 

 

2. Grundlagen gemeindlicher Aufgaben und Arbeit

 

Die Evangelische Kirchengemeinde Uerdingen nimmt ihren Auftrag gemäß der presbyterial-synodalen Verfassung unserer Evangelischen Kirche im Rheinland im Rahmen und auf der Grundlage der kirchlichen Ordnung in eigener Verantwortung wahr.

„Gebunden an Jesus Christus, den Herrn der Kirche, und in der darin begründeten Freiheit erfüllt die Evangelische Kirche im Rheinland ihre Aufgaben, wacht über die Lehre, gibt sich ihre Ordnungen und überträgt Ämter und Dienste.

 

Sie trägt die Verantwortung für die lautere Verkündigung des Wortes Gottes und für die rechte Verwaltung der Sakramente. Sie sorgt dafür, dass das Evangelium gemäß dem in den Gemeinden jeweils geltenden Bekenntnis im Lehren und Lernen, Leben und Dienst bezeugt wird.

 

Sie stärkt ihre Mitglieder für ein christliches Leben, ermutigt sie, ihre unterschiedlichen Gaben einzubringen und fördert das Zusammenleben der verschiedenen Gruppierungen.

 

Sie hat den Auftrag zur Seelsorge, zur Diakonie, zum missionarischen Dienst, zur Kirchenmusik und zur christlichen Erziehung und Bildung.

 

Sie fördert das christlich-jüdische Gespräch und pflegt die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen.

 

Sie nimmt den ihr aufgegebenen Dienst im öffentlichen Leben wahr. Sie tritt ein für die Beachtung der Gebote Gottes, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und der Heiligung des Sonntags und der kirchlichen Feiertage.“ (Artikel 1 der Kirchenordnung)

 

 

3. Verkündigung des Wortes Gottes in Gottesdiensten

 

Der Gottesdienst ist die zentrale Wesensäußerung der Kirche. Das Evangelium, die frohe Botschaft, dass Gott den Menschen auf allen Wegen begleitet, findet hier in angemessener Form seinen Ausdruck.

 

An jedem Sonn- und Feiertag wird in der Michaelskirche in Uerdingen und in der Johanneskirche in Linn Gottesdienst gefeiert.

 

Darüber hinaus finden weitere Gottesdienste statt, die spezielle Zielgruppen ansprechen oder von einzelnen Gemeindegruppen gestaltet werden:

a)    Kindergartengottesdienste im Kindergarten und als Familiengottesdienste in der Michaelskirche

b)    Kindergottesdienst-Samstage einmal im Monat im Gemeindehaus Bergstraße

c)    Schulgottesdienste mit Grund- und weiterführenden Schulen (manche wöchentlich, andere zu besonderen Terminen am Schuljahresanfang und –ende, Schulabschluss, Weihnachten, Ostern usw.)

d)    pray and worship: Jugendgottesdienste einmal im Monat

e)    Altenheim-Gottesdienste in allen drei Heimen auf dem Gemeindegebiet, auch besondere Gottesdienste für Demenzkranke, jeweils monatlich

f)     Gottesdienste aus besonderem Anlass oder an besonderen Orten: Passa-Abendmahl am Gründonnerstag im Gemeindehaus Bergstraße; Sommergottesdienste an der

Hausenhof-Kapelle in Linn; Bußgang am 10. November zum Gedenken an die Pogrom-Nacht in Uerdingen

g)    Gottesdienste in ökumenischer Verbundenheit am 31.12. in Linn, am 1. Januar in Uerdingen, am Weltgebetstag in Uerdingen und in Linn/Gellep-Stratum, am 2. Pfingsttag in Uerdingen und Linn;

ökumenische Gottesdienste aus besonderen Anlässen: zum Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr, zur Eröffnung des Flachsmarktes, zu Schützenfesten, zu Vereinsjubiläen

 

Gottesdienste zu Bestattung, Trauung und Ehejubiläen bilden einen besonderen Schwerpunkt der Gemeindearbeit, da hier in besonderer Weise Verkündigung und Seelsorge miteinander verbunden sind. Dazu zählen Vorbereitungs- und Nachbereitungsgespräche sowie die Begleitung im Rahmen der Familien.

 

 

4. Verwaltung der Sakramente

 

Die Gemeinde legt Wert darauf, dass Taufen in den Sonntagsgottesdiensten gefeiert werden. Festgeschriebene Taufsonntage gibt es nicht, vielmehr gemeinsame Absprachen mit den Tauffamilien. Ausnahmewünsche werden nur in besonders begründeten Fällen auf Beschluss des Presbyteriums hin berücksichtigt. Ausgenommen von dieser Regel sind Nottaufen.

 

Das Heilige Abendmahl wird in beiden Kirchen in der Regel einmal im Monat gefeiert: in der Michaelskirche am 1. Sonntag und in der Johanneskirche am 2. Sonntag im Monat. Darüber hinaus wird am 1. Weihnachtstag, am Gründonnerstag, am Karfreitag, am 1. Ostertag, am 1. Pfingsttag, am Ewigkeitssonntag, in den Konfirmations- und Goldkonfirmationsgottesdiensten in beiden Kirchen das Abendmahl gefeiert.

 

Entsprechend den unterschiedlichen Traditionen in unserer Gemeinde gibt es in beiden Kirchen verschiedene Abendmahlsliturgien entsprechend Grundform II; in Linn wird an den Ersten Feiertagen und am Ewigkeitssonntag außerdem die lutherische Form (Grundform I) gewählt. Gemeinsam ist allen Formen, dass die Teilnehmenden im Kreis um den Abendmahlstisch stehen. In der Michaelskirche wird bei jedem 2. Abendmahl der Wein durch Traubensaft ersetzt. Hier werden neben dem Gemeinschaftskelch auch Einzelkelche benutzt.

 

In den konfessionellen Altenheimen wird einmal im Quartal das Heilige Abendmahl gefeiert.

 

Darüber hinaus wird Menschen, die ihre Wohnung aufgrund von Alter und Krankheit nicht mehr verlassen können, das Hausabendmahl angeboten.

 

5. Kinder- und Jugendarbeit/Kirchlicher Unterricht

 

Als Träger einer Kindertageseinrichtung nimmt die Gemeinde ihre Verantwortung im Bereich Erziehung und Bildung ernst und gestaltet sie in enger Absprache mit den Erzieherinnen und Eltern zum Wohl der Kinder. Die Schwerpunkte der Arbeit sind in einer eigenen Konzeption festgelegt.  

 

„Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt“

Wir wollen sowohl die Kinder als auch die Eltern annehmen wie sie sind mit ihren Stärken und Schwächen - so wie Gott UNS annimmt.

In einer für die Kinder (und ihre Eltern) beschützten Umgebung wollen wir Kinder auf ihrem Weg des Wachsens und Lernens begleiten und unterstützen. Wir nehmen die Kinder an, wie sie sind, im Respekt vor ihrer Persönlichkeit mit ihren individuellen Fähigkeiten und Grenzen; wir wollen den Kindern helfen, ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

Dabei achten wir besonders auf die für das Leben wichtigen Aspekte:

Wir wollen die Sprachfähigkeit der Kinder fördern; Sprache ist unser wichtigstes Mittel   zur Verständigung. Die Kinder sollen die Grundlagen des Christseins kennenlernen und ihren Ort im Glauben, in der Kirchengemeinde und in der Gesellschaft wie in der Welt finden; dazu erzählen wir biblische Geschichten und gestalten unseren Tag mit Ritualen.

Im Umgang mit der Natur sollen die Kinder Respekt und Fürsorge für die Grundlagen unseres Lebens als Menschen auf dieser Erde lernen. Wir gehen respektvoll miteinander um und lernen, uns gegenseitig– gerade auch den andersartigen oder fremden Menschen - mit Achtung und Würde zu begegnen. Daraus folgt das Erlernen eines entsprechenden Verhaltens in der Gruppe und einzelnen Menschen gegenüber und der angemessene Umgang miteinander.

Die Kinder sollen die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen und kennenlernen. Darum fördern wir die Motorik und die Kreativität jedes einzelnen Kindes, damit es seine Möglichkeiten erkennt und nutzen lernt.

Die Gesundheit der Kinder ist uns wichtig. Dies zeigt sich nicht nur in der Ernährung es gibt Beispiele und Tipps für Eltern und Kinder. Die Beobachtungen der Mitarbeitenden sowie regelmäßige Untersuchungen und Tests helfen, Fehlentwicklungen oder Schwächen frühzeitig zu entdecken und ihnen entgegenzuwirken.

Für die Arbeit stehen neben zwei Gruppenräumen unter anderem eine Kinderküche und ein Gymnastikraum zur Verfügung. Im Sommer 2013 wurden Waschraum und Toiletten renoviert, es gibt einen Wickeltisch für die „U-3-Kinder“.

 

 

Vom Haus der Familie (Evangelische Familienbildungsstätte des Gemeindeverbandes Krefeld) wird eine Spielgruppe für 2-3-jährige Kinder an drei Vormittagen in der Woche im Gemeindehaus in Gellep-Stratum verantwortet.

 

Der Kirchliche Unterricht findet – entsprechend dem landeskirchlichen Rahmenplan – innerhalb eines Jahres statt. In Uerdingen hat sich z. Zt. monatlicher Blockunterricht am Samstag etabliert; in Linn findet der Unterricht in Doppelstunden (anderthalb Zeitstunden) jede Woche statt. So können die Jugendlichen die ihren Schul- und Freizeitplänen entsprechende Form wählen. Die regelmäßige Teilnahme der KonfirmandInnen an den Gottesdiensten ist fester Bestandteil des kirchlichen Unterrichts.

Die Uerdinger Gruppe besucht für mehrere Tage die von Bodelschwinghschen Einrichtungen in Bethel. Hier wird besonders der diakonische Auftrag von Kirche deutlich gemacht.

 

Ein enger Kontakt zu den Schulen im Bereich der Gemeinde – über die Schulgottesdienste hinaus – ergibt sich durch die Kontaktstunden im dritten Grundschuljahr, durch Unterrichtsbesuche und durch die Vorbereitung und Beteiligung an dem Bußgang zur Pogromnacht. Durch die Teilnahme der Pfarrer an den Fachschafts-Konferenzen Religion ergibt sich ein guter und tragfähiger Kontakt zu den Fachlehrern.

 

Im Gemeindehaus Bergstraße unterhält die Gemeinde eine öffentliche Bücherei mit Medien für Kinder und mit Literatur zu Erziehungsfragen.

 

 

6. Erwachsenenarbeit

 

Eine „tragende Säule“ der Gemeindearbeit ist die Frauen- und die Seniorenarbeit.

 

Frauenhilfe, Frauenkreis und Seniorenkreis im Gemeindehaus Bergstraße und der Seniorenkreis in der Johanneskirche bieten in je unterschiedlicher Form, zu je unterschiedlicher Zeit Möglichkeiten, Lehre, Leben und Dienst in der Gemeinde zu praktizieren. Diese Arbeit geschieht in großer Selbständigkeit und in der Regel unter ehrenamtlicher Leitung. Mitglieder dieser Kreise sehen sich verantwortlich auch für die Weltgebetstags-Arbeit, für die Ausrichtung der Gemeinde- und für Seniorenfeste, für Kontakte zu einer anderen Frauenhilfe und der Partnergemeinde NeuZauche.

 

Zwei Bibel-Frühstücksrunden eröffnen Teilnahme-Möglichkeit auch für jüngere Gemeindeglieder. Die Uerdinger Gruppe trifft sich alle 14 Tage zu kursorischer Bibellektüre unter der Leitung des Pfarrers. Die Linner Gruppe tagt in den ungeraden Monaten; hier steht die evangelisch-katholische Ökumene im Vordergrund. Dieser Kreis wird abwechselnd von der katholischen Gemeindereferentin und der Pfarrerin geleitet. Beide Kreise bieten die Chance, den eigenen Glauben in christlicher Gemeinschaft zu reflektieren, über Glaubens- und Lebensfragen ins Gespräch zu kommen und die Sprachfähigkeit in Glaubensfragen zu verbessern.

 

Eine niederschwellige Möglichkeit für ältere Menschen, Kontakt zur Gemeinde aufzunehmen, sind die Seniorenfeste. Im Advent werden in beiden Bezirken die ab 70-Jährigen eingeladen, zu Andacht, Kaffeetafel und anschließenden musikalischen und anderen Darbietungen zusammen zu kommen. In Linn wird außerdem zum Sommerfest für die Älteren eingeladen.

 

Gemeindefeste im Gemeindehaus Bergstraße sind Ausdruck der Arbeit in der Gemeinde und des Zusammenseins verschiedener Generationen und Interessengruppen. Hier beteiligen sich alle an der Ausgestaltung des Festes. Liturgische Nächte, die Teilnahme an der Krefelder Nacht der Offenen Kirchen und Kirchenabende kommen dem Wunsch nach konzentrierter Auseinandersetzung mit einem Thema, nach besonderen Andachtsformen und kirchenmusikalischen Darbietungen entgegen.

 

In Linn ist die Kirchengemeinde Gründungsmitglied und neben der katholischen Gemeinde und dem Bürgerverein Träger des Seniorenclubs Em Cavenn. Anstellungsträger für die hauptamtliche Leitung, Eigentümer des Gebäudes und verantwortlich für die korrekte Buchführung ist der Caritas-Verband der Region Krefeld. Hier wird für die älteren und alten Menschen ein Kurs- und Gruppenangebot vorgehalten, das den Menschen aktive oder passive Teilhabe an einem regen Clubleben die ganze Woche über ermöglicht. Für über 100 Mitglieder und viele weitere Gäste auch aus den umliegenden Stadtteilen wird hier ein attraktives Programm vorgehalten, das von Malkursen bis zum Internetcafé und von Einzelvorträgen bis zu Festen und Feiern reicht. Mit dem Ziel der Stadtteilarbeit wird vom Seniorenclub eine erfolgreich arbeitende Kleiderstube (Sammlung und Abgabe von Second-hand-Kleidung) verantwortet. In Planung ist ein regelmäßiger Mittagstisch für die alten Menschen.

 

 

7. Kirchenmusikalische Arbeit

 

Die kirchenmusikalische Arbeit wird hauptamtlich durch die Kirchenmusikerin versehen. Sie sorgt für den Orgeldienst in allen Gottesdiensten beider Gemeindebezirke, auch in Schul- und Altenheimgottesdiensten einschließlich der Amtshandlungen mit Ausnahme der Bestattungsgottesdienste. Die Gemeinde hält eine B-Stelle vor, die z.Zt. mit einer A- und Konzertmusikerin besetzt ist.

 

Im Kindergarten macht die Kantorin den Kindern auf spielerische Art Lust auf Musik.

Die musikalische Früherziehung gehört zum Konzept des Kindergartens.

 

Kinderchor, Gospelchor, Kirchenchor, Senioren-Singkreis und Posaunenchor (unter ehrenamtlicher Leitung) gestalten im Wechsel unter der Leitung der Kirchenmusikerin die besonderen Gottesdienste der Gemeinde und bieten ein breites Repertoire.

 

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Konzerttätigkeit. Die Michaelskirche eignet sich vor allem für Orgelkonzerte. Hier werden auch große Kantatengottesdienste und Chorkonzerte, oft im Verbund mit befreundeten Chören veranstaltet. Die Johanneskirche eignet sich besser für Kammermusik. Hierbei musiziert die Kirchenmusikerin solo oder gemeinsam mit Instrumentalisten oder Sängern; manchmal lädt sie Gäste ein, zu konzertieren.

 

Dementsprechend hält die Gemeinde ein großes Instrumentarium und umfangreiches Notenmaterial vor. In der Michaelskirche gibt es neben der großen Van-Vulpen-Orgel eine weitere Chororgel. In der Turmkapelle steht eine Truhenorgel, die bei Bedarf in der Michaelskirche für Konzerte aufgestellt werden kann. Sowohl in der Johanneskirche als auch im Gemeindehaus in Gellep-Stratum stehen kleinere Orgeln zur Verfügung. Außerdem sind ein Flügel, drei Klaviere, ein Keyboard und Orffsches Instrumentarium im Gebrauch.

 

Der Förderkreis für Kirchenmusik der Evangelischen Kirchengemeinde Uerdingen e.V. stellt zusätzliche Geldmittel zur Verfügung, um die kirchenmusikalischen Aktivitäten in der Gemeinde zu unterstützen. Er tut das in Form von Zuschüssen für die Reparatur und Instandhaltung der Instrumente, für die Arbeit der Chöre und für aufwändige Konzerte. Auch an den Kosten für Werbung (Krefeld Klassik, Halbjahresprogramme) beteiligt sich der Förderkreis.

 

 

8. Seelsorge und Diakonie

 

Haus- und Krankenbesuche stehen in der Verantwortung der Pfarrer. Sie werden unterstützt durch mehrere Besuchsdienstkreise, die die Geburtstagsbesuche bei den alten Gemeindegliedern übernehmen. Im Uerdinger Krankenhaus überbringt eine ehrenamtlich Mitarbeitende die Grüße der Gemeinde.

 

Auf Anfrage machen die Pfarrer Besuche im Krankenhaus oder zu Hause, insbesondere bei schwer Kranken und Sterbenden. Auch aus den Altenheimen werden sie für Gespräche mit Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitenden angefragt. Oft schließen sich Einzelgespräche an die Gottesdienste in den Häusern an.

 

Die Gemeinde hält ein Alten- und Pflegeheim vor: das Haus im Park. Dieses Altenheim umfasst 80 Pflegeplätze. Der größte Anteil der Bewohner ist demenzkrank und wird durch speziell geschulte Fachleute betreut. Die Einrichtung zeichnet sich durch eine große Außenanlage aus, die insbesondere auf die Bedürfnisse der dementiell veränderten Bewohner abgestimmt ist.

Das Altenheim wird durch die Evangelische Altenhilfe der Diakonie in Krefeld gGmbH betrieben, die drei weitere Alten- und Pflegeheime, eine Diakoniestation und eine große Anzahl an seniorengerechten Mietwohnungen verwaltet. Die Gemeinde ist als Minderheits-Gesellschafter durch die Pfarrerin und zwei weitere Presbyteriumsmitglieder an der Entwicklung der Gesellschaft beteiligt. Die aktuelle Arbeit wird durch einen Beirat begleitet, in dem ebenfalls ein Uerdinger Vertreter ehrenamtlich mitarbeitet.

 

Seniorengerechte Wohnungen an der Bergstraße (Verwaltung durch die Altenhilfe-Gesellschaft) und ein weiteres Wohnhaus (Verwaltung durch die Gemeinde) stehen insbesondere alten und gebrechlichen Menschen zur Verfügung.

 

Zweimal im Jahr beteiligt sich die Gemeinde an der Brockensammlung zugunsten der Von-Bodelschwinghschen Einrichtungen.

 

Menschen in besonderer Notlage benötigen spezielle Hilfen im diakonischen Bereich. Hier stehen die Einrichtungen und Dienste des Diakonischen Werkes Krefeld-Viersen den Gemeindegliedern zur Verfügung.

 

 

9. Öffentlichkeitsarbeit

 

Der Gemeindebrief ist das besondere Presseorgan der Gemeinde. Mit vier Ausgaben pro Jahr bietet er in Rückblick und Vorschau einen umfassenden Einblick in das Gemeindeleben mit seinen unterschiedlichen Facetten. Außerdem soll aufmerksam gemacht werden auf die Arbeit unseres Kindergartens und des Altenheims sowie auf die verschiedenen Angebote und Einrichtungen des Diakonischen Werkes Krefeld-Viersen.

 

Als aktuelle Ergänzung zum Gemeindebrief werden Flyer und Informationsbroschüren über die verschiedenen Veranstaltungen und Termine herausgegeben, insbesondere im Bereich Kirchenmusik. Ansprechende Plakate weisen ebenfalls auf die nächsten Veranstaltungen hin.

 

Die Homepage der Gemeinde (uerdingen-evangelisch.de) ist vor kurzem mit Hilfe des Förderprojektes „Initiative Nordrhein-Westfalen vernetzt“ neu aufgestellt worden und entspricht den modernen Seh- und Informationsgewohnheiten. Ein Arbeitskreis verantwortet die neu eingestellten Texte. Eine Büromitarbeiterin pflegt die Website.

 

Die Gemeinde nutzt die Organe anderer Anbieter, z.B. „Krefeld Klassik“, um ein größeres Publikum auf eigene Veranstaltungen aufmerksam zu machen. Veröffentlichungen in der örtlichen Presse werden über das Pressereferat des Kirchenkreises weitergegeben.

 

Die Gemeinde nimmt regelmäßig an besonderen Märkten in Uerdingen teil (Herbst-, Nikolausmarkt…). Der Kindergarten und andere Gemeindegruppen bestücken den Stand; außerdem liegt Informationsmaterial aus.

 

 

10. Gemeindeleitung und Verwaltung

 

Das Presbyterium leitet die Kirchengemeinde. Es trägt die Verantwortung für die Erfüllung des Auftrages der Kirchengemeinde gemäß Artikel 1 der Kirchenordnung (vgl. Artikel 15.1 der KO).

 

Es ist zusammengesetzt aus 10 gewählten PresbyterInnen (nicht nach Bezirken getrennt), einem Mitarbeiterpresbyter und den beiden Pfarrern der Gemeinde.

 

Das Presbyterium bildet – zusammen mit berufenen Mitgliedern - Fachausschüsse für einzelne Arbeitsbereiche, z.B. für Theologie, Gottesdienst und Kirchenmusik, Finanzverwaltung und Gebäude, Diakonie und Jugendarbeit. Zusätzlich bestehen in unserer Gemeinde Ausschüsse für den Kindergarten, für Öffentlichkeitsarbeit, zur Erstellung des Gemeindebriefes, Bezirksausschüsse, die die Besonderheiten der Teilbereiche der Gemeinde berücksichtigen, und ein Personalausschuss. Nach außen vertreten Presbyteriumsmitglieder und sachkundige Gemeindeglieder die Interessen der Gemeinde: in der Altenhilfe-Gesellschaft, im Kuratorium Em Cavenn und in den Förderkreisen für Kirchenmusik und den Kindergarten.

 

Die innere Gemeindeleitung geschieht in Zusammenarbeit der Pfarrstelleninhaber mit den Mitgliedern des Presbyteriums und den haupt- und nebenamtlich Mitarbeitenden der Gemeinde, insbesondere mit dem Gemeindebüro.

 

 

11. Ökumene und Partnerschaftsarbeit

 

Die Gemeinde pflegt Kontakt mit ihrer Partnergemeinde Neu Zauche im Spreewald. Seit 1984 finden Besuche von größeren Gruppen statt: im einen Jahr fahren Uerdinger Gemeindeglieder dorthin, im anderen kommen Neu Zaucher nach Uerdingen zu Besuch. Die Gemeinde-Partnerschaft lebt von langjährigen persönlichen Freundschaften, bei denen auch zwischen den Fahrten Kontakt gehalten wird.

 

Die Beziehung zu unserer katholischen Nachbargemeinde ist seit einiger Zeit auf ganz neue Füße gestellt worden. Durch die Fusion der römisch-katholischen Gemeinden in Gartenstadt, Uerdingen, Linn und Gellep-Stratum zur Großgemeinde St. Nikolaus hat auch ein Wechsel bei der Besetzung der Pfarrstellen stattgefunden. Unser Wunsch, die bisher schon gut funktionierende Ökumene in Linn auch auf die anderen Stadtteile auszudehnen, ist auf weit offene Ohren gestoßen. Evangelische Gemeindeglieder sind ständige Gäste im Pfarrgemeinderat St. Nikolaus; umgekehrt nehmen katholische Vertreter an den Bezirksausschüssen teil. Die Pfarrer und Gemeindereferenten treffen sich regelmäßig, um den Kontakt zu intensivieren und Absprachen zu treffen, die die Berührungspunkte im Arbeitsalltag betreffen. Unsere Hoffnung ist, dass auch über die „Feierökumene“ und Schul- und Altenheimgottesdienste hinaus eine tragfähige und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Dauer möglich ist.

 

Der Weltgebetstag der Frauen ist in zwei Gruppen (Uerdingen und Linn/Stratum) immer selbständig gewesen und hat unabhängig von offiziellem Wohlwollen all die Jahre stattgefunden. Hier ist eine starke Basis in beiden Gemeindeteilen und Kirchen entstanden, die das Verständnis füreinander und im Bezug auf weltweite Ökumene gestärkt hat. Selbst Mitglieder der Mennoniten- und der Baptisten-Gemeinde nehmen gerne und bewusst an unseren Gottesdiensten teil, obwohl sich ihre Gemeinden auch selber engagieren.

 

Die Abundant Life Ministries sind seit vielen Jahren in der Turmkapelle der Michaelskirche zu Gast. Es handelt sich um eine kleine Gruppe anglophoner Afrikaner, die aus verschiedenen kirchlichen und freikirchlichen Traditionen zusammengesetzt ist.

 

Im Pfarrbezirk Uerdingen besteht seit dem Jahr 2012, in dem mehrere Kennenlerngespräche stattgefunden haben, eine nachbarschaftliche Beziehung zur Neuapostolischen Kirche. Außerhalb von Gottesdiensten findet ein gegenseitiger Austausch statt (Einladungen zu Gemeindefesten, Jubiläen und musikalischen Veranstaltungen, Austausch von Gemeindebriefen etc.).

 

In Uerdingen findet jedes Jahr ein Bußgang aus Anlass der Zerstörung der Uerdinger Synagoge am 10. (!) November 1939 statt. Der Pfarrer organisiert meist mit Unterstützung von Schülergruppen der Gymnasien oder des Berufskollegs Uerdingen oder Gemeindegruppen den Gang von St. Peter zur Gedenktafel in der Bruchstraße und zur Michaelskirche (oder umgekehrt). Zu Zeiten haben auch Vertreter der Krefelder Synagogengemeinde den Bußgang begleitet.

 

Die Gemeinde ist durch Abgeordnete des Presbyteriums in der Krefelder Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) vertreten. Gerne haben Gemeindegruppen an früheren Großveranstaltungen in der Stadt teilgenommen. Auch an fast allen bisherigen „Nächten der offenen Kirchen“ in Krefeld hat sich die Gemeinde gerne und mit großem Gewinn beteiligt.

 

 

 

 

 

12. Zielsetzung der Gemeindearbeit

 

Die Arbeit aller Kreise, Gruppen und Einrichtungen in der Gemeinde hat das Ziel, christliche Existenz und Verantwortung durch Stärkung der Gemeindeglieder im Glauben zu leben. Das evangelische Gemeindeprofil der einzelnen Gruppen und Arbeitszweige gilt es dabei in großer Freiheit zu stärken und zu fördern.

 

Dies geschieht auch in ökumenischer Verbundenheit mit der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus und in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen und Kuratorien im Bereich der Gemeinde.

 

Schrittweise kann dieses Ziel im Rahmen einer Konzeptions-Weiterentwicklung durch Beschreibung der Aufgaben in jedem Bereich und entsprechend transparenter Vernetzung erreicht werden.

 

Die Gemeinde muss gleichermaßen erkennbar, verlässlich und einladend sein, sowohl für Alt-Eingesessene als auch für Menschen, die neu dazu kommen. Sie muss für die Kerngemeinde wie für ferner Stehende Verkündigerin der Frohen Botschaft von Jesus Christus sein.

 

 

13. Perspektiven der Gemeindearbeit

 

Im Hinblick auf die Zielsetzung der Gemeindearbeit bleibt das Wissen um die Vorläufigkeit allen menschlichen Handelns. Im Vertrauen auf Gottes Zusage an seine Schöpfung bleibt der Gemeinde die Aufgabe, die vielfachen Gaben Gottes zu entdecken, zu nutzen und zu fördern.

 

Nicht zuletzt unter dem Druck stark sinkender finanzieller Mittel und Gemeindeglieder-Zahlen wird in der Kirchengemeinde ein Prozess eingeleitet, in Bezug auf alle Arbeitsfelder und Aufgabenbereiche über neue Wege der Gemeindearbeit nachzudenken:

 

-       Was ist „notwendige“ und machbare Gemeindearbeit im Sinne der Zielsetzung?

-       Was muss daher verändert werden?

-       Wie muss sich gemeindliche Arbeit in Zukunft darstellen?

-       Auf welche Entwicklungen müssen wir reagieren, was können wir positiv verstärken?

-       Wie können Menschen neu Zugang finden zur Gemeinde?

 

Das Presbyterium hat erste Beschlüsse gefasst, die darauf zielen, auf lange Sicht die Gemeindearbeit an den beiden Kirchen und dort angesiedelten Gemeinderäumen zu konzentrieren (vom Kindergarten und dem Pflegeheim abgesehen). So steht als erstes an, das Gemeindehaus in Gellep-Stratum zu veräußern.

 

In Zukunft wird auch im Blick sein müssen

 

-       die fortschreitende Reduzierung von Pfarrstellen

-       die Anpassung im Hausmeister- und Reinigungsdienst entsprechend
 den vorgehaltenen Gebäuden

-       effiziente Heizungsanlagen und Energiesparmaßnahmen

-       die Pflege des Denkmals Michaelskirche und Turm

 

Dabei sind folgende Teilaspekte zu berücksichtigen:

-       Sponsoring (z.B. Nachlässe, zu errichtende Stiftungen, Spendenaktionen)

-       Einsatz von Fremdleistungen

-       Kooperationsmöglichkeiten mit Nachbargemeinden

-       Übergang von hauptamtlicher zu ehrenamtlicher Tätigkeit.

 

Diese Konzeption ist gemäß der Gemeindeentwicklung fortzuschreiben und gegebenenfalls anzupassen oder zu ergänzen. Ziele und Perspektiven sind auf erreichte und messbare Teilergebnisse hin zu überprüfen oder entsprechend neu zu fassen.

 

14. Leitbild der Gemeindearbeit der Evangelischen Kirchengemeinde Uerdingen

 

Von Anfang an war das Siegelbild und später das Logo der Gemeinde auf Psalm 1,3 bezogen. Sicher hat die Nähe zum Rhein den Ausschlag gegeben, diesen Vers und dieses Bild zu wählen. Allerdings trifft die Eröffnung des Psalters genau die Zielsetzung der Gemeinde: in Gott und seinem Wort verwurzelt zu sein und danach zu leben, ist Aufgabe jedes einzelnen Gemeindegliedes und der gesamten Gemeinde.

 

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen

noch tritt auf den Weg der Sünder

noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust am Gesetz des Herrn

und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

 

Der ist wie ein Baum,

gepflanzt an den Wasserbächen,

der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.

Und was er macht, das gerät wohl.

 

Aber so sind die Gottlosen nicht,

sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht

noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,

aber der Gottlosen Weg vergeht.

 

Psalm 1

 

Uerdingen, im Dezember 2013

 
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