Andacht KW13

Liebe Mitschrist*innen, liebe Interessierte,

gern gebe ich es zu: Geduld ist nicht meine starke Seite. Es kostet mich viel Überwindung, zu Hause zu sein und nicht einfach herausgehen zu können und andere zu treffen. Mein Verstand sagt mir: es ist gut und richtig, dass solche Maßnahmen von staatlicher Seite getroffen werden. Es ist wichtig, um mich selbst und andere vor der Ansteckung mit diesem unberechenbaren, kaum bekannten Virus zu schützen. Aber es fällt mir sehr schwer…

Umso dankbarer bin ich, dass andere weiterarbeiten können, die nicht so gefährdet sind oder sich gut schützen können – für unseren täglichen Bedarf und zur Gesundheitsversorgung. Danke, danke sehr! Sogar viele junge Menschen, Schüler und Studentinnen, die im Moment auch nicht ihren gewohnten Alltag leben können – sie lassen sich etwas einfallen und helfen, indem sie z.B. für die Älteren Lebensmittel einkaufen. Andere führen die Hunde der Nachbarn aus. Es ist überwältigend – Respekt! Und danke!

Ich habe mir vorgenommen, meinen Tag zu Hause gut zu strukturieren. Weiterhin stehe ich früh auf, denn ich kenne mich: die Abende werden sonst immer länger, bis ich müde bin… Nach dem Frühstück – bei dem ich seit Neuestem viel Zeit für die Tageszeitung habe – fange ich an, Mails zu beantworten und zu telefonieren. Denn ich möchte gerne in Kontakt bleiben. Hören, wie es den anderen geht. Sie sind ja in derselben Situation wie ich. Beim Kochen gebe ich mir mehr Mühe als sonst – mir sind Rezepthefte und Kochbücher wieder in die Hände gefallen beim Aufräumen; da will ich das eine oder andere Neue ausprobieren. Man soll sich ja gesund ernähren! Der Fernseher bleibt aus bis zum Spielfilm oder Krimi am Abend. Den ganzen Tag „Corona“ – das will ich einfach nicht immer wieder hören und sehen. Lieber höre ich Musik, die mir gefällt. Eigentlich habe ich jetzt auch wieder Zeit für ein gutes Buch.

Was mir fehlt: es ist das Zusammensein mit der Gemeinde bei Andachten und Gottesdiensten. Aber da haben schon andere eine gute Idee gehabt: eine Verabredung zum Gebet abends um 19 Uhr. Alle können mitmachen, von zuhause aus: eine Kerze ins Fenster stellen und den Text heraussuchen, den wir unter „Einladung zum Abendgebet“ auf diese Homepage gestellt haben. Natürlich kann jede/r beten, was und wie er oder sie will. Unser Text ist nur ein Vorschlag. Beim Vaterunser sind wir dann alle gemeinsam vor Gott. Viele andere in Krefeld und in anderen Städten machen schon mit. Es ist ein gutes Gefühl, denn so bin ich nicht mehr alleine. Wir sind miteinander verbunden – und mit Gott.

Ein Bibelvers ist mir in den Sinn gekommen, der könnte eine Art Merkzettel für die nächsten Wochen werden. Er steht im 2. Timotheusbrief und lautet: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Das habe ich mir jedenfalls fest vorgenommen: der Furcht keinen Raum zu geben, sondern auf die Kraft, die von Gott kommt, zu vertrauen.

Gott, gib den einen Geduld und Mut zur Einschränkung.

Und erhalte den anderen die Kraft und Liebe, ihre Arbeit zu tun.

Uns allen erhalte gute Gesundheit.

Gib uns allen deinen Schutz und Segen! Amen.

 

Bis bald!

Heike Klute, Pfarrerin