Andacht KW14

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

Not lehrt beten, sagt man.

Jesus konnte beten. Er hat oft gebetet. Abba, Papa, so nannte er Gott vertrauensvoll. Er sprach die üblichen Morgen-, Abend- und Tischgebete, und er kannte sich in den gottesdienstlichen Gebeten genauso gut aus. Oft zog er sich zurück, früh morgens oder spät in der Nacht, um mit Gott allein zu sein. Es war offenbar für ihn wichtig und notwendig, alles bei Gott abladen zu können, was ihm an Menschenleid und Tod begegnet war. Dafür brauchte er die Stille und Einsamkeit, um sich ganz auf Gott einlassen zu können. Um zu klagen; um zu fragen. Und um sich schließlich neue Kraft schenken zu lassen für seinen Weg. Der immerhin führte ihn bis zum Tod am Kreuz.

Von Jesu Gebet erzählt ein Abschnitt aus dem Hebräerbrief, (der für diesen Fünften Sonntag der Passionszeit als Lesungstext vorgesehen ist): „Als er noch auf der Erde lebte, hat Jesus sich im Gebet mit Bitten und Flehen an Gott gewandt, der ihn vom Tod retten konnte; mit lautem Rufen und unter Tränen hat er seine Not vor ihn gebracht. Weil er treu zu Gott hielt, ist er schließlich auch erhört worden“ (Hebräer 5,7, Gute Nachricht Bibel).

Aus Telefonaten und Mails in den letzten Tagen weiß ich, dass viele Menschen beten. Für manche ist es seit vielen Jahren tägliche Übung; andere lernen jetzt neu, sich an Gott zu wenden mit ihren Gedanken, ihrer Angst und Sorge um sich selbst und ihre Lieben. Und mit ihrer Fürbitte für die Menschen, die jetzt besonders belastet sind.

Zum Beten gehört auch das Hören auf Gottes Wort. Ich stelle es mir vor, wie zwei Menschen im Gespräch sind: da redet auch nicht nur einer und der andere hört nur zu. Ein Gespräch hat Redeanteile von beiden Seiten, und beide sollten hören, was der andere sagt. Nur dann ist es ein gutes Gespräch, das trösten, ermutigen und weiterbringen kann.

So ist es im Gebet auch. Meine Gedanken und Wünsche und dringenden Bitten bei Gott abladen ist das eine. Aber dann sollte ich auch hören, was Gott mir sagt. Indem ich in unserem Bibeltext lese: dass Jesus vom Tod errettet wurde. Aber da stutze ich: er ist doch gestorben, einen ganz furchtbaren Tod sogar! Aber dann fällt mir ein: Ja, aber er lebt jetzt, weil Gott ihm im Tod das Leben geschenkt und ihn auferweckt hat. Jesus ist nicht vor dem Tod gerettet worden, sondern im Tod. Leiden und Sterben ist ihm nicht erspart geblieben. Und doch hat Gott sein Gebet gehört.

So ist das auch bei unserem Gebet. Das aber sollten wir bedenken: manchmal fällt seine Antwort etwas anders aus als wir es uns vorgestellt und gewünscht haben. Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber er hält sich ganz bestimmt an sein Versprechen: immer bei uns zu sein. In Zeiten der Gesundheit und des Wohlergehens wie auch in Zeiten der Angst und Not – und sogar im Tod!

Not lehrt beten. Und hören. Nutzen wir die Zeit der erzwungenen Stille, um wieder mit Gott ins Gespräch zu kommen. Gerne täglich. Wie mit einem guten Freund.

Amen.

 

Gott, du bist da.

Das ist gut.

Ich will dir so viel sagen.

Hörst du mich?

Lass mich auch hören,

was du sagst! …

 

Herzlich grüßt Sie

Heike Klute