Andacht Palmsonntag

Liebe Mitchrist*innen, liebe Gäste,

für diesen Palmsonntag ist eine wunderschöne, intensiv duftende Bibelgeschichte vorgesehen, die mir sehr aktuell erscheint (nachlesen können Sie diese Geschichte im Markusevangelium, Kapitel 14 ab Vers 3):

Jesus ist zum Essen eingeladen bei Simon dem Aussätzigen. Dieser erste Satz alleine enthält schon eine ganze Geschichte. Sein Beiname verrät es: Simon hatte eine Hautkrankheit. Vielleicht war es „nur“ Akne oder Schuppenflechte, womöglich aber auch Lepra. Man wusste, dass manche Erkrankungen wieder abklingen; man fürchtete aber sehr die ansteckenden Krankheiten, für die man keine Therapie kannte. Die einzige Möglichkeit war, die Kranken zu isolieren, wegzuschicken aus den Dörfern und Städten, sie „auszusetzen“, um die Gesunden zu schützen. – Bis heute gibt es manchmal keine besseren Methoden, wie wir jetzt in ganz neuem Ausmaß selbst erfahren müssen.

Offenbar war Simon wieder gesund geworden – durch Jesu Hilfe vielleicht? Von der Heilung einiger Aussätziger durch Jesus wird in der Bibel ja an mehreren Stellen berichtet. Jedenfalls lud er Jesus und seine Jünger zum Essen ein. Eine sehr freundliche Geste. Man liegt also eines Abends zu Tisch und freut sich an gutem Essen und gehaltvollen Gesprächen – da platzt eine unbekannte Frau herein, geht direkt auf Jesus zu und kniet sich bei ihm hin. Sie öffnet ein kleines Fläschchen mit sehr teurem Salböl, gießt es Jesus über den Kopf und massiert es sanft ein. Ein wunderbarer Duft erfüllt den ganzen Raum. Und Jesus genießt diese liebevolle Berührung. -

Auch dieser Frau hat eine frühere Begegnung mit Jesus gutgetan. Vielleicht hat er auch sie von einer Krankheit geheilt. Oder ihr auf irgendeine andere Weise neu zum Leben geholfen. Es wird nicht erwähnt. Aber es muss schon gravierend gewesen sein; warum sonst sollte sie so ein teures Geschenk machen?

Natürlich gibt es sofort Kritiker: „Was soll diese Verschwendung? Das Öl hätte man für teures Geld verkaufen und den Armen geben können!“ Nur Jesus verteidigt sie: „Lasst sie in Ruhe! Sie hat mir etwas Gutes getan!“

Entspringt die Kritik vielleicht dem eigenen schlechten Gewissen, selber nicht gedankt zu haben? Oder gar dem Neid? Gleichgültig: Wenn jemand einem anderen dankt, hat ein Außenstehender das nicht zu kritisieren.

Mit Recht wird von verschiedenen Seiten und auf vielfältige Weise denen gedankt, die in der gegenwärtigen Corona-Pandemie nicht nur extrem viel Arbeit und Verantwortung haben, sondern sich auch selbst hohem Risiko aussetzen, indem sie erkrankte Menschen pflegen. Andere werden kreativ und ändern ihre Produktlinien, um dringend Benötigtes herzustellen: frische Nudeln statt Eiscreme, Desinfektionsmittel statt Likör usw. So viele kümmern sich auch in anderen Bereichen beruflich oder freiwillig. Und sind sehr ideenreich dabei. Ohne ihre Hilfe geht es nicht. Ihnen allen gebührt unser überschwänglicher Dank und alle Ehre.

 

Aber natürlich: die Armen dürfen wir über alledem nicht vergessen. Kritik, die uns weiterbringt und verhindert, dass jemand übersehen wird, ist gut und berechtigt. Neid und Profilierungssucht hilft uns dagegen nicht weiter. Zur Zeit Jesu nicht und heute ebenfalls nicht.

So danken wir also von ganzem Herzen denen, die sich einsetzen. Wir freuen uns mit für die Beschenkten und achten auf die, die sonst vergessen werden!

Herzlich grüßt Sie

Heike Klute