Osterandacht

Liebe Gemeindeglieder, liebe Gäste!

Das allererste Ostern war sehr merkwürdig; die frohe Botschaft hatte wenig Chancen. Und doch… Die Frauen hatten bei Jesus am Kreuz gestanden bis er gestorben war. Sie hatten auch gesehen, wie Jesus vom Kreuz abgenommen, in ein Leichentuch gewickelt und in ein Grab in der Nähe gebracht worden war. Es gab kein ordent-liches Begräbnis, kein Totengebet; sie legten ihn einfach so auf die Steinbank. Dann wurde der Eingang mit einem großen Rollstein verschlossen. Fertig. - Wie schrecklich das Ganze!

Sie mussten ihn alleinlassen wegen des beginnenden Feiertages. Vor Einbruch der Dunkelheit mussten sie zuhause sein, so verlangten es die Regeln. Dunkel war es auch in ihrem Herzen. Sie konnten erst am übernächsten Morgen, nach dem Feiertag, hingehen, ihn balsamieren und die üblichen Totengebete sprechen. Wenigstens jetzt wollten sie die erforderlichen Rituale nachholen. Ein letzter Dienst der Liebe für Jesus. Ein Ritual, das ihnen ein wenig Halt geben würde in einer hoffnungslosen Situation.

Den weggerollten Stein entdeckten sie schon von weitem. Ich weiß nicht, was sie gedacht haben – dass der Leichnam umgebettet worden war vielleicht. Aber einen Engel haben sie sicher nicht erwartet. Der redet davon, dass Jesus auferstanden sei… Die Frauen verstehen nicht. Die Worte rauschen an ihnen vorbei. Das ist nun wirklich zu viel für sie. Wie sollte man sich da nicht fürchten und an seinem eigenen Verstand zweifeln! Es ist zu schrecklich! - So endet der erste Osterbericht.

 

„Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und ein ewiges, unvergängliches Leben ans Licht gebracht…“, schreibt viele Jahre später der Apostel Paulus (2. Timotheusbrief 1,10).

Die Frauen, auch die Jünger haben erst nach und nach verstanden, was sich mit der Auferstehung Jesu geändert hat. Tot ist nicht mehr tot! Nach mehreren Begegnungen mit dem Auferstandenen sind sie ganz gewiss: Jesus lebt! Nicht so wie vorher, als sie mit ihm durch Dörfer und Städte gezogen sind, um von Gott zu erzählen und zu heilen. Jetzt gibt es eine neue Perspektive: ein Leben nach dem Tod. Keine unendliche Fortsetzung desselben Lebens, denn Jesus wird sie nach ein paar Wochen endgültig verlassen und zu seinem Vater im Himmel zurückkehren. Nein, es ist ganz anders als wir es kennen.

Aber das ist beruhigend und tröstlich für die Frauen und für die Jünger: dass nicht nur alle Not überstanden, sondern sogar der Tod überwunden ist! Er hat keine endgültige Macht mehr über das Leben. Ewiges, unvergängliches Leben hat sich Bahn gebrochen. Gott hat Jesus auferweckt in ein neues Leben im Licht Gottes. Mit ihm schenkt er auch uns neues Leben. Gottes Liebe ist tatsächlich stärker als der Tod!

Stand also am Karfreitag noch Tod und Scheitern im Mittelpunkt, so macht Gott an Ostern einen neuen Anfang, auch mit uns. Durch Jesu Auferstehung haben wir Hoffnung in unserem und für unser Leben. Auch dann, wenn es – wie jetzt durch das Corona-Virus – gefährdet und bedroht ist. Auch dann noch, wenn unser Leben einmal zu Ende geht. Denn an Ostern wurde der Sieg über den Tod errungen. An Ostern können wir den Neuanfang feiern, den Christus uns ermöglicht hat. Danken wir Gott für die Macht seiner Liebe, die stärker ist als der Tod!

Frohe und gesegnete Ostern!

Heike Klute