Andacht KW17

Liebe Gemeinde, liebe Gäste!

 

Täglich gehen wir durch viele Türen. Wir öffnen sie. Wir schließen sie. Wir lehnen sie an. Wir knallen sie zu. Kein Tag, an dem wir nicht durch Türen gehen. Wenn Türen sich öffnen, dann ist Begegnung möglich. Wenn Türen sich öffnen, dann kann man sich sehen. Dann ist es möglich, beieinander zu sein. Dann kann man manche schöne Überraschung erleben. Schön, wenn Türen geöffnet werden.

Viele Türen sind aber in dieser Zeit weiterhin verschlossen. Das ist wichtig zum eigenen Schutz und zum Schutz der anderen. Aber es ist auch schlimm, wenn man nicht wie früher Familie und Freunde treffen und mit anderen etwas unternehmen kann. Für die Kinder gilt das und für die Älteren genauso, insbesondere für die, die allein leben. Wir sind soziale Wesen und auf Kontakt und Umgang miteinander angewiesen, nicht nur von ferne und per Telefon. Das allein reicht bei weitem nicht mehr aus. So warten viele sehnsüchtig darauf, dass sie ihre Tür wieder weit öffnen dürfen und hinausgehen oder liebe Menschen hineinlassen können. Damit sie nicht mehr eingeschlossen sind, ausgeschlossen vom Leben. Die offene Tür wird so zum Symbol für Gemeinschaft und Leben.

Jesus benutzt genau dieses Symbol, wenn er von sich selber spricht. Er sagt: „Ich bin die Tür.  Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“ (Johannesevangelium 10, 9a). Er selbst kann verstanden werden wie eine weit geöffnete Tür: eine Tür zu Gott. Sein ganzes Leben können wir so verstehen. Ein paar Beispiele:

  • Als Josef mit Maria in Bethlehem eine Unterkunft suchte, waren alle Türen verschlossen. Nur ein Platz im Stall wurde ihnen angeboten. Als Jesus geboren war, stand die Stalltür offen für alle, die zu ihm kommen wollten: ob Hirten oder Gelehrte – da war kein Unterschied.
  • Als Erwachsener wurde Jesus durch Johannes den Täufer am Jordan getauft. Als er wieder aus dem Wasser stieg, öffnete sich der Himmel und eine Stimme bestätigte ihn als Gottes Sohn. In der Taufe Jesu hat Gott die Tür zwischen sich und den Menschen weit geöffnet.
  • Viele Menschen damals haben geglaubt, Gott habe die Menschen verlassen und der Himmel sei verschlossen. Jesus dagegen erzählt in warmen Farben vom Himmelreich. Er heilt Menschen oder bringt sie zurecht und öffnet ihnen so die Tür zum Leben. So öffnet er ihnen auch die Tür zum Vertrauen auf Gott.
  • Aber es gab Menschen, die den Schlüssel zu Gott selber behalten wollten. Sie betrieben mit aller Macht den Tod Jesu, damit er ihnen nicht mehr in die Quere kommen konnte. Der große Verschlussstein vor seinem Grab wurde zusätzlich bewacht. Aber Gott öffnete die Tür zum Leben und erweckte Jesus vom Tod. Der Stein war weggerollt. Jesus erstand auf in das neue Leben. Durch Jesu Auferstehung hat er für uns alle die Tür zum ewigen Leben geöffnet.

Gott öffnet auch uns die Tür. Er schenke uns das Vertrauen, diese Lebenskraft und Liebe auch für uns selbst anzunehmen. Ich möchte mein Herz wieder für ihn öffnen. Ich warte auf neue Lebendigkeit, auf Kraft für den Alltag, auf Trost für meine Traurigkeit und Hilfe für die Fragen, die das Leben mir aufgetragen hat.

All das hat die Begegnung mit Jesus in vielen Menschen ausgelöst und bringt es immer noch den Menschen, die es zulassen, dass Gott ihnen hilft. Mein Vertrauen, meine Hoffnung – sie laufen nicht ins Leere, wenn ich Gott bitte, dass er mir hilft. Jesu Lebenskraft ist ansteckend. Seine Liebe macht mich stark, um meine Lebensfragen anzugehen. Ich vertraue auf Gott.

 

So bete ich für Sie und für mich mit Worten eines sehr alten Liedes:

Herr, öffne mir die Herzenstür.

Zieh mein Herz durch dein Wort zu dir.

Lass mich dein Wort bewahren rein.

Lass mich dein Kind und Erbe sein. Amen.

 

Herzlichst

Heike Klute