Andacht KW18

„Was ist der Mensch?“ So fragt der Beter des 8. Psalms,

„Was ist der Mensch, dass du, Gott, seiner gedenkst,

und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott…“

 

Was ist der Mensch? Ein winziges Bündel Leben, zwei Hände voll, wenn es geboren ist. Hilflos und angewiesen auf Fürsorge und Nahrung, auf Schutz und Liebe. Selbständig ist ein Neugeborenes nicht lebensfähig. Und doch ist es ein kleines Wunder, über das wir staunen und uns freuen: Eltern und Großeltern und alle, die es kennenlernen. So sind wir alle gewesen: ein kleines Würmchen. Mit großem Potenzial.

Was ist der Mensch? Ein Wesen mit den größten geistigen Fähigkeiten, vergleicht man ihn mit den anderen Lebewesen auf dieser Erde. Ein Erfinder von Gutem und Nützlichem. Und noch viel mehr. Der Mensch hat die Erde kartografiert; er hat das Fliegen gelernt; er kann Kontakt aufnehmen mit Menschen auf anderen Kontinenten – fast in Echtzeit. Er fliegt zum Mond; und er entwickelt Medikamente gegen schlimme Krankheiten. Er weiß, wie Diamanten entstehen und wie man sie zum Funkeln bringt – er liebt das Schöne. Er ist ein Künstler auf vielen Gebieten. Seine Sehnsucht nach Schönem und sein Streben nach Besserem treiben ihn an.

Was ist der Mensch? Ein soziales Wesen. Eins, das nicht für sich allein leben kann – besser ist’s zu zweit und in einer Familie, mit Freunden, mit Gleichgesinnten. Der Mensch ist zum Einfühlen in andere und zu selbstloser Liebe fähig. Er kümmert sich um die Schwächeren. Er ist ein Friedensstifter und Bewahrer des Guten. Er vernetzt sich mit anderen, um kreativ seine Aufgaben zu bewältigen. Ein Lernender ist er und zugleich ein Lehrer. Er feiert und lacht gern und bringt andere zum Lachen.

Was ist der Mensch? Er bedauert das Verschwinden der Schmetterlinge - und überschüttet die Pflanzen in seinem Garten mit Mengen von Insektiziden. Er hätschelt sein Schoßhündchen, aber gnadenlos beutet er „Nutztiere“ aus. Er weiß um viele Zusammenhänge in dieser Welt, aber er zerstört systematisch seine eigenen Lebensgrundlagen, als gingen die Folgen ihn nichts an. Er führt Krieg um Ressourcen, statt fair zu handeln. Geld regiert die Welt; wer keins hat, hat nichts zu sagen. Den Mitmenschen und den anderen Geschöpfen wird er immer wieder zum Wolf. Er hat viele Fähigkeiten entwickelt und große Kenntnis aufgehäuft. Aber oft nutzt er sie nur, um zu zerstören.

Und doch ist er Gottes Abbild. Als letztes seiner Werke wunderbar gestaltet. Nach Gottes Bild geschaffen und auf ihn bezogen. Aus dem Material der Erde gemacht, mit Lebensatem belebt. Begabt mit Verstand, ausgestattet mit Aufgaben, um ihm auskömmliches Leben zu ermöglichen. Getrieben von der Sehnsucht, in Frieden zu leben. Und gesegnet für ein erfülltes Leben.

Was ist der Mensch? Für fast so genial wie Gott hält er sich, wenigstens aber für die Krone der Schöpfung. Doch es zeigt sich einmal mehr, dass er besiegbar ist von einfachsten Daseinsformen – von denen manche ironischerweise Corona, zu Deutsch Krone genannt werden…

Was ist der Mensch? Gezeichnet von Schwäche, wenn er krank wird. Am Ende seines Lebens ein hilfloser Greis, der nur noch liegen kann. Der versorgt und betreut werden muss von anderen.

Was ist der Mensch? Von Gott gewollt und mit Leben begabt. Gottes Abbild in jedem Stadium seines Lebens. Auch an seinem Ende: der Mensch ist von Gott geliebt und getragen - auch über den Tod hinaus. Eine Würde, die ihm niemand nehmen kann!

 

Schöpfer des Lebens, du sorgst für uns.

Du lässt uns leben.

Wir bewundern deine große Güte, ewiger Gott! Amen.

 

Herzlichst,

Heike Klute