Andacht KW19

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder! (Psalm 98,1a)

Liebe Gemeinde, liebe Gäste,

in unserer Gemeinde wird gern und ausgiebig gesungen. Es klingt nicht immer perfekt, aber wir haben viel Freude daran. Wir singen gerne die alten Choräle, aber auch ganz neue Lieder. Wir hören sie auch jetzt gerne von Silke und Bernd Liffers in unseren Videos – und singen kräftig mit. Und ich weiß von vielen, dass sie das gemeinsame Singen im Gottesdienst und in den Chören und Gemeindegruppen sehr vermissen.

Es tut uns einfach gut, zu singen. Wenn wir uns freuen, dann ist ein fröhliches Lied ein guter Ausdruck dafür. Musik und Gesang tröstet, wenn es uns nicht so gut geht. Man kann sich tatsächlich in eine andere Stimmung singen – Stimme und Stimmung haben nicht zufällig denselben Wortstamm im Deutschen. Im Hebräischen (der Sprache Israels in biblischer Zeit) ist die Kehle auch gleichzeitig der Sitz der Seele; es ist dasselbe Wort. Wenn einem also das sprichwörtliche Wasser bis an die Kehle geht, dann geht es zugleich bis an die Seele. Probleme, Not, Trauer, all das lässt uns verstummen. Wenn wir dann anfangen Luft zu holen und zu summen  und zu singen, dann ist das wie eine Leiter an den offenen Himmel. Wir können ein paar Sprossen daran hochklettern – und fühlen uns gleich besser. Chorsänger*innen wissen, dass man sich regelrecht „high“ singen kann!

All diese Zusammenhänge waren schon sehr früh bekannt. Der erste „Musiktherapeut“, von dem in der Bibel erzählt wird, war ein Hirtenjunge aus Bethlehem: David. Er hatte eine schöne Stimme und konnte gut Harfe spielen. Er hatte viel Zeit, neue Lieder zu dichten und zu vertonen. Viele Psalmen der Bibel (also Gebete in Liedform) werden ihm zugeschrieben. Er kam an den Königshof, um dem König Saul in seinen depressiven Zeiten mit seinen Liedern Linderung zu verschaffen (1.Samuel 16, 14ff.).

Die ältesten Texte der Bibel, so hat man herausgefunden, waren Lieder. Z.B. das Lied der Hanna aus dem Alten Testament. Sie litt sehr darunter, dass sie über viele Jahre keine Kinder bekommen konnte. Ihr Mann versuchte, sie zu trösten, weil er sie sehr liebte. Aber… Als sie zum Gottesdienst gingen und beim Fest danach zusammensaßen, ging Hanna noch einmal allein in das Heiligtum und weinte und betete. Der Priester bemerkte ihre Not und versprach, dass Gott ihre Bitte erfüllen werde. Beim Fest im Jahr darauf hatte sie ihren kleinen Sohn dabei, und sie ging wieder in das Heiligtum und stimmte ein großes Loblied an auf Gottes Größe und Leben schaffende Kraft (1. Samuel 1 und 2).

Jahrhunderte später sangen sich Paulus und Silas die bleierne Furcht aus der Seele. Die beiden Freunde saßen im Gefängnis, weil sie einer Sklavin geholfen hatten – was deren Herren sehr missfiel. In die hinterste Zelle wurden sie gesperrt. Die beiden konnten nicht schlafen, und so beteten und sangen sie Psalmen. Alle, die ihnen einfielen. Und wenn der eine den Text nicht mehr wusste, konnte doch der andere weitersingen. Sie waren auf ihrer „Liederleiter zum offenen Himmel“ schon so weit hochgeklettert, dass sie das Erdbeben zunächst kaum wahrnahmen, das ihnen die Türen öffnete. Sie hatten mit ihren Liedern die Wirklichkeit längst überholt, denn ohne dass sie fliehen mussten, ging diese Geschichte sehr gut aus (Apostelgeschichte 16,16-40). -- Es gibt noch viele weitere Lieder in der Bibel – und die jeweilige Geschichte dazu. Diese drei Beispiele sollen uns für heute reichen.

„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“. Wenn Ihre Seele gekränkt ist in dieser merkwürdigen Zeit, versuchen Sie es doch auch mit der „Leiter zum offenen Himmel“. Summen und singen Sie befreiende Lieder, ganz für sich - und gerne auch mit uns, wenn Sie die Videos hören und sehen. Damit Ihre Kehle wieder weit wird und der Lebensatem, den Gott Ihnen verliehen hat, wieder ungehindert strömen kann.

„Lobe den Herrn, meine Seele!“ Amen.

 

 

Lasst uns beten:

Schöpfer des Himmels und der Erde,

dich preisen alle deine Werke.

Wir bitten dich:

lass uns nicht stumm bleiben

unter deinen Geschöpfen.

Mach unser Leben zu einem Lobgesang

auf deine wunderbare Macht und Güte.

Erhöre uns um Jesu Christi willen. Amen.

 

Herzliche Grüße!

Heike Klute