Andacht zu Christi Himmelfahrt

Andacht zu Christi Himmelfahrt

 

Liebe Gemeindeglieder, liebe Gäste!

Der Bericht über die Himmelfahrt Jesu Christi ist denkbar knapp, fast im Telegrammstil gehalten, jedenfalls in der Version des Lukasevangeliums:

„Jesus führte sie hinaus bis nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an.“

Bei dieser Szene muss ich an ein altes Familienoberhaupt denken, das kurz vor seinem Tod die Verantwortlichkeiten neu regelt. Meistens bestimmte er den ältesten, in manchen Gegenden den jüngsten Sohn zum neuen Clanchef. Er übertrug ihm den ganzen Familienbesitz und damit die Verantwortung für das Wohlergehen aller, die dazu gehören. Damit er das auch schaffen konnte, bedachte er den Erben mit einem besonderen Segen.

In dem Bericht von der Himmelfahrt Jesu liegt Jesus nicht auf dem Sterbebett. Hier wird erzählt, dass Jesus mit den Jüngern zusammen ist und ihnen mit Hilfe der Heiligen Schrift das Verständnis öffnet für seinen Tod und die Auferstehung. Und über das Reich Gottes, von dem schon ein Stück sichtbar geworden ist. Er wählt nicht einen einzigen Familienerben aus, sondern er macht alle zu seinen Erben. Er beauftragt alle damit, Zeugen zu sein für Gott und von seinem Reich zu predigen. Der Heilige Geist soll ihnen dabei helfen. Jesus überträgt also seinen Jüngern die Verantwortung und schenkt ihnen die nötige Kraft, die sie dafür brauchen.

Dann fährt er auf zum Himmel. Schade, dass wir im Deutschen nur ein Wort für „Himmel“ haben. Englisch-sprechende Menschen wissen allein schon durch das verwendete Wort, dass Jesus nicht in den „sky“, die Atmosphäre mit Wolken, Luft und Winden aufgestiegen ist, auch nicht ins Weltall zu irgendeinem Stern oder noch darüber hinaus. Stattdessen reden sie von dem „heaven“ als Gottes Himmel, von Gottes Bereich, in den Jesus zurückgekehrt ist. Wo Gott ist, da ist „Himmel“. Und da ist auch Jesus.

Dass er auffuhr, nach oben, verstehe ich so: Jesus ist jetzt nicht mehr beschränkt auf ein paar Orte in Israel um die Zeitenwende, sondern sein Wirkungsbereich ist jetzt allumfassend in Raum und Zeit. Er ist darüber hinaus erhöht über alle anderen Mächte und steht so an erster Stelle. In der Sprache der Psalmen wird er zum König über alle Könige. Er hat Teil an Gottes allumfassender Macht.

Und zugleich ist er aufgefahren in die Zukunft, denn seine Sache geht weiter. Sein Reich ist „mitten unter uns“, oder man kann auch übersetzen: „inwendig in uns“, die wir an ihn glauben und so zu seinem ewigen Reich gehören. So sagt Jesus es selbst an anderer Stelle (Lukas 17,21). Als Himmlischer ist Jesus jedem Menschen nahe. Er wohnt in den Herzen seiner Gläubigen – auch heute und morgen.

Dadurch ist die Reaktion der Jünger diesmal anders als bei seinem Tod: jetzt beten sie ihn an und freuen sich, dass Jesus zwar nicht mehr körperlich, aber doch durch seinen Geist jederzeit für sie da ist.

Jesu Himmelfahrt ist keine Endstation. Er wirkt weiter. Er baut weiter sein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens mitten unter uns. Er, der Liebende, der Hingebende und Vergebende, ermächtigt auch uns, seine Priester und Königinnen zu sein (1.Petrusbrief 2,9). Das bedeutet: er braucht Menschen, die mithelfen. Er gibt uns – bildlich gesprochen – die Schlüssel zum Himmelreich in die Hand. Auch wir können anderen Menschen ein Stück vom Himmel aufschließen. Es ist unsere Aufgabe, dem großen Liebenden und Vergebenden zur Hand zu gehen. Indem wir unseren Glauben leben und sichtbar werden lassen für andere. Indem wir davon reden, wer Jesus für uns ist. Was er uns bedeutet. Menschen brauchen Wegweiser zu Gottes Reich. Alleine werden nur wenige den Weg dorthin finden. Versuchen wir also mit unseren Mitteln, anderen ein Stück vom Himmel zu bringen. Wenn wir den Menschen ganz nahe sind, dann sind wir dem Himmel, dann sind wir Jesus am nächsten.

Detlev Block hat es in seinem Lied über die Himmelfahrt Christi wunderbar ausgedrückt:     

„Nimm uns in deinen Machtbereich.

Gib Kraft zu Tat und Leiden

und mach uns deinem Wesen gleich

im Wollen und Entscheiden.

Wir freuen uns, Herr Jesu Christ,

dass da auch ein Stück Himmel ist,

wo wir dein Wort bezeugen.“ 

(Detlev Block, eg Bayern 561)

 

Herzlichst,

Heike Klute