Andacht KW21

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

Jesus hat seine Jünger mehrmals auf seinen bevorstehenden Tod vorbereitet mit sog. Abschiedsreden. Er wusste, dass sie traurig sein und Angst haben würden und nicht wüssten, was nun zu tun sei. So kam es ja auch zuerst: Thomas zog sich zurück, weil er die eigene Trauer und die der Freunde nach Jesu Tod nicht ertragen konnte – bis er Jesus selbst gegenüberstand. Andere sind gleich ganz nach Hause nach Emmaus gegangen – bis sie Jesus erkannten an der Art, wie er ihnen das Brot brach. Und die Frauen flohen von Jesu Grab wegen der unglaublichen Begegnung mit dem Engel. Und auch nach der Himmelfahrt Jesu könnte die Zuversicht der Jünger schnell wieder kippen in Ratlosigkeit und Verzweiflung.

Das möchte Jesus gern verhindern. Darum erklärt er ihnen, warum er weggehen muss. Einmal sagt Jesus: „Jetzt gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. Aber niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden“ (Johannesevangelium 16,5-7).

Es ist ganz unterschiedlich, wie Menschen auf eine solche Nachricht reagieren. Die einen sind traurig und ratlos, wenn etwas endet oder wenn jemand weggeht. Andere freuen sich auf das Neue, das jetzt beginnen kann. Das hängt wohl von der jeweiligen Situation, aber auch der Verfassung und dem Temperament einer Person ab, was im Vordergrund steht. Und auch von der Beziehung der Beteiligten untereinander: Die Jünger haben Jesus geliebt und verehrt und wunderbare Dinge mit ihm erlebt. Sie können nicht einfach zu etwas Neuem übergehen. Und doch ist es wie beim Erwachsenwerden: man kann nicht ewig das kleine Kind bleiben, abhängig von dem, was die Eltern entscheiden. Irgendwann muss man seine eigenen Entscheidungen treffen und verantworten. Das fällt dem einen schwerer, der anderen leichter. Gut, wenn man dann einen „Tröster“, einen Freund, einen Vertrauten hat, der einem über diese Klippen hilft.

Bei Jesu „Weggang“ hängt das eine mit dem anderen zusammen: der Tröster ist Gottes Antwort auf die Himmelfahrt Jesu und auf die Trauer der Jünger. Der Verlust ist die Voraussetzung für das Neue.

Gut, dass sich die Jünger damals darauf eingelassen haben. Dass sie nach der Zeit der Trauer den Blick heben konnten und für den Neubeginn Mut und Elan bekamen. So konnte die Verkündigung des Evangeliums von Gottes Liebe weitergehen und sich weltweit verbreiten - auch ohne Jesus an der Seite, aber geleitet vom Heiligen Geist.

Gut auch, dass der Heilige Geist Gottes, der „Tröster“ und Helfer bis heute wirkt. Denn das Leben in der Nachfolge Jesu war und ist zu allen Zeiten eine Herausforderung. Auch wir heute brauchen die Unterstützung des Heiligen Geistes in unserer Zeit. Wie erschüttert und erstarrt, ja sogar verstummt waren wir alle, als das Corona-Virus auch in Europa seine Opfer fand und erste rigide Maßnahmen getroffen werden mussten, um Menschenleben zu schützen. Dass das für viele Wochen auch unser Gemeindeleben lahmlegen würde – wer hätte das für möglich gehalten? Aber wer hätte auch gedacht, dass Menschen jetzt regelmäßig miteinander telefonieren, die sich vorher gar nicht so gut kannten? Dass sich Menschen in den Dienst nehmen lassen, die bisher nicht darüber nachgedacht haben, und anderen diese schlimme Zeit auf vielfältigste Weise erleichtern? Und dass es neue Wege der Verkündigung geben würde, über die wir in der Gemeinde noch nie nachgedacht hatten?

Gebe Gott uns weiterhin seinen Tröster, den Heiligen Geist, dass wir nicht nachlassen in unserem Kümmern, Beten und Verkündigen. Aber er helfe uns auch, wenn die Belastung groß wird und die Dienste nicht alle aufrecht erhalten werden können. Weil das normale Leben wieder Zeit und Energie fordert. Der Heilige Geist selbst wird auch dann für seine Kirche sorgen: Gottes guter Geist, der Herzen bewegt, und Menschen zum Glauben führt, die heute noch unentschieden sind.

So bitten wir auch heute für uns alle – und immer wieder: Komm, Tröster, Heiliger Geist! Amen.

Herzlichst

Heike Klute