Andacht KW27

Andacht zu Ferienbeginn

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

Urlaub zu Hause. Viele Menschen machen das Jahr für Jahr. Weil sie aus gesundheitlichen Gründen nicht verreisen können; weil ihnen das Geld fehlt; weil sie aus ökologischen Gründen darauf verzichten. Oder weil sie beruflich viel unterwegs sind und einfach eine Zeitlang Ruhe genießen wollen auf „Balkonien“ oder in „Bad Meingarten“. Urlaub zu Hause. Im Jahr 2020 kann das zur allgemeinen Regel werden: Weil die Grenzen zum Teil noch geschlossen sind; weil das Reisen in gesundheitlicher Hinsicht noch zu gefährlich ist; weil viele beliebte Reiseziele noch gesperrt sind, oder auch – wieder – weil das Geld fehlt. Wie also sollen wir in dieser merkwürdigen Zeit Urlaub machen?

Lesen wir in der Heiligen Schrift nach. Im Evangelium von Markus wird berichtet, dass Jesus seine Jünger auf eine anstrengende und aufregende Missionsreise geschickt hatte, von der sie jetzt zurückkommen. Und Jesus empfiehlt ihnen, Urlaub zu machen.

Und die Apostel kamen bei Jesus zusammen und verkündeten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Und er sprach zu ihnen: „Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig“. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen. Und sie fuhren in einem Boot an eine einsame Stätte für sich allein. (Markusevangelium 6, 30-32).

Jesus empfiehlt seinen Jüngern nicht nur, mal auszuspannen, sondern er liefert das Rezept für einen gelungenen Urlaub gleich mit: er rät zu einem Urlaub mit wenigen Menschen und an einem einsamen Ort. Weg von den großen Urlaubsorten; nicht dorthin gehen, wo alle sind und wo man meint, gewesen sein zu müssen. Der zweite Ratschlag: Urlaub um auszuruhen. Nicht drei Länder in vier Tagen sehen, nicht die neueste Trend-Sportart ausprobieren, sondern Ruhe und Gelassenheit. Das tun, was gut ist zum Herunterkommen, zum Erholen von dem, was man täglich zu tun hat. Zeit nehmen, um Körper und Geist zu entspannen.

Vor einigen Jahren sah ich draußen an einer Flusspromenade eine alte Kirchenbank neben anderen Bänken stehen. Ein schöner Ort, um Urlaub zu machen, wie Jesus ihn empfiehlt. Ein Symbol für Urlaub mit Gott. Zeit für Gott und Ruhe, ihm zu begegnen. Einen entspannten Blick auf mein Leben zu werfen: Was ist in Ordnung, was nicht? Um dann alles Gott hinzuhalten im Dank und in der Bitte.

Die neue Lutherbibel übersetzt die oben zitierte Stelle für meinen Geschmack etwas irreführend. Als wäre Jesus nicht mitgekommen. Ist er aber. In der Einheitsübersetzung heißt es klarer:

„Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“ Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“

Zeit für Gemeinschaft. Untereinander und mit Gott. Zeit, die wir in diesem Jahr auch nicht immer hatten. Konkreter: Wir hatten monatelang nicht die Möglichkeit zur Gemeinschaft mit anderen. Und auch nicht für den gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche. Viele Menschen haben beides sehr vermisst und sind damit den Menschen nicht unähnlich, von denen das Markusevangelium weiter erzählt:

„Und man sah sie wegfahren, und viele hörten es und liefen aus allen Städten zu Fuß dorthin zusammen und kamen ihnen zuvor. Und Jesus stieg aus und sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er fing eine lange Predigt an.“ (Markusevangelium 6,33-34)

Die Kirchenbank an der Promenade – das ist nicht nur ein schöner Ort zum Ausruhen bei Gott. Es ist auch ein Ort der Verkündigung. Für die Menschen, die darauf warten. Auch im Urlaub. Als Christen haben wir nie Urlaub vom Weitersagen der frohen Botschaft. Es müssen ja keine langen Predigten sein! Amen.

 

Urlaubssegen

Wenn du sitzt oder aufstehst, gehst oder liegst, behüte dich Gott.

Er behalte dich im Blick auf allen deinen Wegen

und führe dich auf ewigem Wege.

Nimmst du Flügel der Morgenröte und bleibst am äußersten Meer - oder zuhause:

seine Hand führe dich und seine Rechte halte dich.

So segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Schöne Ferien!

Heike Klute